Buchcover: Der kleine Coach für Kiefer & Nacken
Der kleine Coach für Kiefer & Nacken

Sanfte Übungen für Kiefer und Nacken: So hilft der kleine Coach im Alltag

Wer mit zusammengebissenen Zähnen durch den Tag geht, merkt es oft zuletzt im Kiefer – und zuerst im Nacken. Heike Höflers Der kleine Coach für Kiefer und Nacken nimmt genau diesen übersehenen Stressbereich ernst. Das Buch zeigt, wie eng Kaumuskeln, Atlaswirbel, Haltung und Nervensystem zusammenspielen – und wie man mit einfachen, kurzen Übungen spürbar Druck aus Kopf und Körper nehmen kann.

Wenn Kiefer und Nacken zu Stressmuskeln werden

Gleich zu Beginn macht Höfler klar: Kiefer- und Nackenprobleme sind keine Marotte, sondern typische Stress-Erkrankungen unserer Zeit. Zähneknirschen in der Nacht, zusammengepresster Kiefer am Tag, Spannungskopfschmerzen, Augen- und Ohrprobleme, Schwindel, Konzentrationsstörungen – all das kann aus einem überlasteten Kiefer-Nacken-System stammen.

Die Autorin beschreibt gut verständlich, wie Kaumuskel, Schläfenmuskel, die tiefen Flügelmuskeln und die kleinen Nackenmuskeln miteinander vernetzt sind. Verspannte Kaumuskeln ziehen an den Kiefergelenken, die wiederum auf Atlas und Axis wirken; Fehlhaltungen im Nacken wirken zurück auf die Kieferstellung. Man spürt beim Lesen: Hier geht es nicht um ein bisschen „Wellness“, sondern um ein sensibles Funktionssystem, das in der modernen Bildschirm- und Smartphone-Welt permanent überfordert ist.

Vom Selbsttest zum persönlichen Übungsprogramm

Bevor es an die Praxis geht, lädt ein Selbsttest ein, ehrlich hinzuschauen: Kieferknacken? Eingeschränkte Mundöffnung? Häufige Nacken- oder Schulterschmerzen? Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen? Berufliche Tätigkeiten mit vorgebeugter Kopfhaltung und hoher Konzentration? Wer hier mehrfach innerlich nickt, erkennt schnell, wie sehr Kiefer und Nacken bereits im roten Bereich arbeiten.

Im Anschluss erklärt Höfler die Grundlagen von Kiefergelenken, Kaumuskulatur, Kopfgelenken und Nacken – anatomisch korrekt, aber ohne akademische Schwere. Die Zusammenhänge zwischen „Handynacken“, Schildkrötenhaltung, Fehlbelastungen der Halswirbelsäule und CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) werden so klar herausgearbeitet, dass man beim Lesen fast automatisch die eigene Haltung korrigiert.

Übungen, die sich in jeden Alltag einschmuggeln lassen

Der eigentliche Schatz des BuchesDer kleine Coach für Kiefer und Nacken liegt im umfangreichen Übungsteil. Die Struktur ist klug aufgebaut:

Akupressur und Massage

Zuerst führt Höfler in einfache Akupressur- und Massagegriffe ein: den Kaumuskel erfühlen und sanft drücken, den Schläfenmuskel lösen, die Wange „zupfen“, die tieferen Mundöffner erreichen. Die Hinweise, nur so viel Druck zu geben, wie wirklich guttut, sind deutlich – hier wird nichts heroisiert, sondern achtsam gearbeitet.

Mobilisation, Dehnung, Kräftigung

Darauf folgen Mobilisations- und Dehnübungen für Kiefergelenke, Kaumuskeln und Nacken: Kiefergelenk mobilisieren, Kiefer-Stretch, Flügelmuskel dehnen, Atlasbereich lösen, Nacken frei nicken, „Ja-Sager“ und „Nein-Sager“-Übungen. Ergänzt wird das Ganze durch Kräftigung der Mundöffner und Halsbeuger – jene Muskelgruppen, die im Alltag meist zu schwach sind, während die „Zubeißer“ längst überdreht haben.

Wichtig: Viele Übungen lassen sich im Sitzen durchführen, auf einem ganz normalen Stuhl oder sogar am Schreibtisch. Das senkt die Einstiegshürde enorm. Die klaren Angaben zu Wiederholungszahl, Dauer und Pausen machen es leicht, sich ein eigenes Mini-Programm zusammenzustellen.

Achtsamkeit, Atem und die Kunst der Ruheschwebe

Besonders gelungen sind die Passagen, in denen Höfler reine Körperarbeit mit inneren Bildern verbindet. Das Konzept der „Kieferruheschwebe“ – der Unterkiefer hängt schwebend, die Zähne berühren sich nicht, die Lippen liegen weich aufeinander – ist ein Leitmotiv des Buches. Wer dieses Bild einmal körperlich gespürt hat, merkt, wie tief Kieferentspannung den gesamten Tonus verändert.

Hinzu kommen Vorstellungsbilder für Nacken und Atlas: ein frei schwebender Kopf, der nicht auf den Schultern lastet, sondern getragen wird; ein Nacken, der nicht klemmt, sondern Raum hat. Diese Bilder sind keine Esoterik, sondern neurophysiologisch clever: Sie helfen, alte Haltungsmuster im Nervensystem umzuprogrammieren und eine neue, aufrechte, zugleich leichte Ausrichtung zu verankern.

Ein weiteres bemerkenswertes Element von Der kleine Coach für Kiefer und Nacken sind die Atemübungen, die die Autorin offenbar nicht als Zusatz, sondern als Kern von Entspannung versteht. Sie erklärt einfache Formen der ruhigen Bauchatmung und der verlängerten Ausatmung, die das Nervensystem herunterregulieren und damit auch Kiefer- und Nackenmuskeln weich werden lassen. Typisch ist die Kombination: erst in die Kieferruheschwebe finden, dann den Atem bewusst fließen lassen, bis sich der Unterkiefer von innen her leichter anfühlt. Die Übungen sind so beschrieben, dass sie auch Einsteigern ohne Vorerfahrung gelingen – im Liegen, im Sitzen, zwischendurch im Alltag. Wer die Vorschläge ernst nimmt, spürt schnell: Nicht nur Muskeln lassen los, auch das innere Tempo sinkt. Damit wird der Atem im Buch zu einem stillen, aber wirkungsvollen Coach, der jede manuelle Übung vertieft und den Effekt weit über den Moment hinaus trägt.

Klar, kompakt, praktisch – mit ganzheitlichem Blick

Stilistisch bleibt das Buch nah an der Praxis: kurze Absätze, klare Anweisungen, viele Abbildungen, ein ruhiger, ermutigender Ton. Höfler schreibt wie jemand, die seit Jahren mit echten Menschen arbeitet – nicht mit abstrakten Idealpatienten. Immer wieder erinnert sie an Pausen, an Nachspüren, an den eigenen Körper als Maßstab. Übertreibung hat hier keinen Platz; wohltuende Konsequenz dagegen schon.

Der Blick bleibt ganzheitlich: Kiefer, Nacken, Kopfhaltung, Atmung, Becken und sogar das vegetative Nervensystem werden mitgedacht. Das Buch ersetzt keine medizinische Diagnose – aber es bietet einen sehr konkreten Weg, um zwischen Zahnarzttermin und Physiotherapie selbst aktiv zu werden und Verantwortung für den eigenen Spannungspegel zu übernehmen.

Warum der kleine Coach … Großes leisten kann

„Der kleine Coach für Kiefer und Nacken“ ist kein dicker Wälzer, sondern ein handliches Arbeitsbuch. Genau darin liegt seine Stärke: Man kann es auf den Schreibtisch legen, in die Tasche stecken, eine Übung heraussuchen und sofort ausprobieren – morgens nach dem Aufwachen, in der Bildschirmpause, abends vor dem Schlafengehen.

Für Menschen mit Kieferknacken, Zähneknirschen, Handynacken, Spannungskopfschmerzen oder diffusen Verspannungen im oberen Rücken ist dieses Buch eine ausgesprochen sinnvolle Investition. Wer bereit ist, regelmäßig ein paar Minuten zu üben, bekommt hier einen Coach an die Hand, der still im Regal steht – und doch Tag für Tag helfen kann, wieder weichere Schultern, einen freieren Nacken und einen ruhigeren Kiefer zu finden.

Titel: Der kleine Coach für Kiefer & Nacken

Autorin: Heike Höfler
Untertitel: Die besten Übungen gegen Kieferknacken, Verspannungen, Zähneknirschen & Co
Verlag: TRIAS
Erscheinungsjahr: 2021
Umfang: 132 Seiten, ca. 100 Abbildungen
ISBN: 978-3-432-11383-8
Preis: 17,00 € (D)
Kategorie: Sachbuch, Ratgeber Gesundheit / Kiefer und Nacken

Der kleine Coach für Kiefer & Nacken: Die besten Übungen gegen Kieferknacken, Verspannungen, Zähneknirschen & Co
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